Wie steht's mit den Kohlenhydraten?

Für Diabetiker wird eine kohlenhydratreiche Ernährung empfohlen. So stellen Kohlenhydrate mit 45 bis 60% den Hauptbestandteil der täglichen Energiezufuhr dar. Die Bezeichnung selbst ist ein Sammelbegriff für verschiedene Verbindungen aus Zuckerelementen. Diese weisen eine unterschiedliche Anzahl an Bausteinen und eine ganz unterschiedliche Wirkung auf Blutzuckerwerte und -verlauf auf:

Zucker
Ein- und Zweifachzucker, wie Traubenzucker (Glukose), Haushaltzucker (Saccharose), brauner Zucker, Kandiszucker sowie Honig sind nur aus einem oder aus zwei Zuckerbausteinen zusammengesetzt. Von daher können sie vom Verdauungstrakt leicht und schnell in das Blut gelangen und spontan zu hohen Blutzuckerwerten führen. Daher sind sie im Rahmen der diabetikergerechten Ernährung weniger empfehlenswert. So sollten auch zuckerhaltige Lebensmittel (z.B. Süßwaren und Gebäck), aber auch zuckerhaltige Getränke vermieden werden. Ferner ist es ratsam, anstelle vergleichsweise süßer Früchte (z.B. Weintrauben) weniger süße Obstsorten zu bevorzugen. Geringe Mengen Zucker (30-50g am Tag) sind für gut eingestellte Diabetiker in Verbindung mit anderen Nähr- oder Ballaststoffen erlaubt. Kalorienfreie Süßstoffe sollten nach wie vor bevorzugt werden.

Stärke
Stärke gehört zu der Gruppe der so genannten Vielfachzucker. Sie ist das Haupt-Kohlenhydrat der einzelnen Getreide- und Brotsorten, von Kartoffeln, Nudeln sowie Reis. Stärke ist ein komplexes Kohlenhydrat, das aus sehr vielen Zuckerbausteinen besteht. Diese sind auf komplizierte Art und Weise zu Ketten verknüpft. Im Verdauungstrakt ist von daher mehr Arbeit und Zeit erforderlich, um die Spaltung dieser Ketten in körpergerechte Zuckerbausteine vorzunehmen. Denn erst als einzelne Zuckerbausteine können sie ins Blut und damit in den Körper gelangen.

Dies ist für den Diabetiker von entscheidender Bedeutung, denn der Blutzuckerverlauf steigt nach Verzehr komplexer Kohlenhydrate nur langsam an und erreicht niemals die Spitzenwerte, wie sie nach dem Verzehr von Zucker zu beobachten sind. Gleichzeitig hält die Energieversorgung durch komplexe Kohlenhydrate vergleichsweise lange vor. Damit haben sie eine deutlich günstigere Wirkung auf Blutzuckeranstieg und -verlauf als Zucker.

Ballaststoffe
Ballaststoffe sind Gerüst- und Stützsubstanzen pflanzlicher Lebensmittel. Dabei enthält jede Pflanze eine für sie arttypische Zusammensetzung. Obwohl Ballaststoffe vom Körper nicht verdaut werden können, erfüllen sie wichtige Aufgaben im Stoffwechsel. Für den Diabetiker ist die Eigenschaft der Ballaststoffe, die Aufnahme von Nährstoffen ins Blut zu verzögern, besonders wichtig, denn Ballaststoffe üben auf diese Weise eine glättende Wirkung auf den Blutzuckerverlauf aus. Ballaststoffe sind in Vollkornerzeugnissen, Kartoffeln, Hülsenfrüchten sowie in vielen Obst- und Gemüsesorten enthalten.

Hafer enthält lösliche und unlösliche Ballaststoffe zu etwa gleichen Teilen. Während unlösliche Hafer-Ballaststoffe auf natürliche Art und Weise die Verdauung anregen, üben die löslichen Hafer-Ballaststoffe eine cholesterinspiegelsenkende und blutfettverbessernde Wirkung aus. Da viele Diabetiker auch zu Fettstoffwechselstörungen neigen, nehmen Hafer-Ballaststoffe in der diabetikergerechten Ernährung einen besonders wichtigen Stellenwert ein. Dies gilt umso mehr, als dass die blutzuckerglättende Funktion der löslichen Ballaststoffe auch stärker ausgeprägt ist als die der unlöslichen.