Flockes erste Alpenüberquerung

"Flockes" erste Alpenüberquerung - Unser Pilot Jörg berichtet

Start
14.01.2012 um 09:31 Uhr lokale Zeit aus Bad Hindelang im Allgäu. Auf einem Schneefeld, welches extra für Ballonstarts vorbereitet und durch Schneeraupen festgewalzt wurde.

Temperatur beim Start bei -2 Grad Celsius, leichte Bewölkung.

Ausrüstung in Flocke

Ausrüstung
Gut vorbereitet starteten wir zur Alpenüberquerung.
Mehrere Sauerstoffflaschen, Zelte, Schlafsäcke, ausreichende Gasversorgung, umfangreiches Kartenmaterial, mehrere elektronische Geräte, um Geschwindigkeit, Höhe und Position ständig überwachen zu können.

Getränke, Lebensmittel und viele Dinge mehr, die auch für eine Notlandung in den Alpen erforderlich sind, wurden bereitgelegt.

Alpenüberquerung

Am Tag vor der Alpenüberquerung wurde unser Korb weiter ausgerüstet. 13 Gasflaschen wurden im Korb so befestigt, dass die Anschlüsse zum Brenner auch passten. Die Saustoffflaschen wurden platziert und die Sauerstoffmasken (Einsatz ab 3500 m) wurden vorbereitet. Alles wurde gescheckt, um eine gefahrlose Alpenüberquerung sicher zu stellen. Jeder Handgriff bei diesem Abenteuer muss sitzen. Die Nachlässigkeiten am Boden können schnell zu Gefahrenmomenten in der Höhe führen.

Team Flocke

Team
Aus Sicherheitsgründen hatten wir zwei Ballonfahrer an Bord. Zusätzlich waren ein Funker und zwei Landehelfer dabei. Auch die Landehelfer und der Funker wurden auf die gesamte Ballonausrüstung eingewiesen.

Die Erdferkel, also die Rückholer am Boden, wurden auf Fahrstrecke, Ballonfahrzeit sowie auf das wahrscheinliche Landegelände hingewiesen und mit Kartenmaterial und elektronischen Zusatzgeräten versorgt.

Ballonfahrt über die Alpen

Ballonfahrt über die Alpen

Die Rückholer luden den Ballon vom Anhänger und machten sich schleunigst auf den Weg Richtung Italien. Sie brauchten auf der Straße ja viel länger, als wir auf der Luftlinie nach Italien.
Das Ballonteam baute den Ballon auf und leitete die Startvorbereitungen ein. Der Ballon stieg stetig mit 2-3m/sec. bis auf eine Höhe von 4000 m.

Unsere Starthöhe (Bad Hindelang) betrug ca. 800 m. Bis auf 1500 m war der Wind relativ schwach. Dann nahm der Wind bis auf 40 kt (ca, 80 km/h) langsam zu. Bei 3000 m nahm unser Funker Verbindung mit dem Flughafen München auf. Wir stiegen weiter bis auf 5000 m. In dieser Höhe hatte „Flocke“ nun doch schon eine Geschwindigkeit von ca. 120 km/h. Absolut spannend, aber wir merkten die Geschwindigkeit kaum. Der Ballon nimmt die Windgeschwindigkeit langsam auf, und in dieser Höhe haben die Augen auch keinen Messpunkt, der die hohe Geschwindigkeit wahrnehmen lässt.

Den Aufstieg durch die Wolkenlücke merkten wir nur daran, dass wir Sichteinschränkungen hatten. Über den Wolken begrüßte uns dann die Sonne und wir hatten herrliche Fernsicht.

Allgäuer Alpen

Auf ging es über die Allgäuer Alpen in Richtung Landeck. Viele Bergspitzen waren zu sehen. Gar nicht so einfach diese auch zuzuordnen. Tief unter uns die Täler. Aus unserer Sicht mit den Miniaturstraßen und Häusern nur klitzeklein zu erkennen. Die Faszination war so groß, dass wir erst einmal die Länder zuordneten, anstatt uns auf die Städte zu konzentrieren.

In Fahrtrichtung lag die Schweiz rechts von uns. Österreich wurde überfahren. Vor uns lagen die Ötztaler Alpen. Aufgrund der hohen Windgeschwindigkeit, konnten wir auf den Bergkämmen die Schneeverwirbelungen erkennen. Diese Bergkämme musste in großer Höhe überfahren werden, um nicht in Luftwirbel hineinzugeraten. Als Anhaltspunkt gilt: km/h x 10 = Höhe des Ballons in Metern über dem Berg. Für uns bedeutete dass, im Bereich der Ötztaler Alpen noch ein wenig aufzusteigen. Berghöhe hier bis zu 3500 m. Bei einer zeitweiligen Geschwindigkeit von ca. 120 km/h stiegen wir mit Flocke auf 6000 m.

Sauerstoffmaske

Hoppla, dem Copiloten juckte die Nase und er hatte seine Sauerstoffmaske abgenommen. Dummerweise viel die Maske aus dem Korb. Wir hatten uns bereits an den Anblick mit Maske gewöhnt und er sah jetzt einfach komisch aus - so ohne Maske. Gut vorbereitet hatte der Co. innerhalb von Sekunden seine Reservemaske aufgesetzt. Sauerstoff ist sehr entscheidend. Als Flachlandtiroler merkt man innerhalb einer Minute schon den Sauerstoffmangel in dieser Höhe.

Weiter ging es in Richtung Bozen. Links von uns noch einen Blick auf die Stubaier Alpen. Auf der rechten Seite die Ortlergruppe. Vor uns zwischen den Bergen erkannten wir jetzt auch die lange Nase vom Gardasee. An der Spitze musste der Ort Arco oder Riva liegen. Bis jetzt stimmte der Kurs genau. Wir würden in Richtung Verona fahren. Gas- und Sauerstoffvorrat war ausreichend.
Jeder überprüfte jeden.
Allen ging es gut.

Überflug, Monti Lessini

Über dem Gebiet Monti Lessini hätten wir uns einen Blick auf das Mittelmeer gewünscht. Aber auch hier stimmte die Wettervorhersage. Eine dicke Wolkenbank baute sich vor uns auf. Verona wurde in einer Höhe von 3000 m überfahren. Wir wussten, am Boden dreht der Wind um 180 Grad. Das bedeutet, wir kamen in großer Höhe aus Richtung Norden und auf Italienischer Seite fuhren wir in geringerer Höhe mit einem Südwind wieder auf die Berge zu.


Also über Verona noch 3000 m, Kurs Richtung Süden und dann langsam absteigen. Da die Ballonhülle beim Abstieg wie ein riesiger Fallschirm wirkt, dauerte der Abstieg bis auf 100m ca. 20 Minuten. Unsere Position war jetzt etwas südlich des Ortes Corrubbioli.

Landung südlich von Currubbioli

Landung südlich von Currubbioli, Italien

Der Ballon wurde mittels kräftigen Feuerstößen aus dem Brenner in ca. 100 m abgefangen. Jetzt gleiteten wir in geringer Höhe wieder Richtung Norden unserem Landegelände zu. Alles klappte wie an der Schnur gezogen und wir setzten sanft auf einem Feld südlich von Corrubbioli auf. Alle Besatzungsmitglieder waren ganz aus dem Häuschen. Endlich geschafft, heil und mit fantastischen Eindrücken in Italien gelandet!!

Es wurde sich umarmt und geherzt. Nur Alpenüberquerer können so einen Moment nachempfinden.

Resumee der Alpenüberquerung

Resumee

Eine Alpenüberquerung ist keine Spaßveranstaltung die man mal eben so macht. Verantwortungsvolle Vorbereitung, Erfahrung und ein gutes Team ist erforderlich. Natürlich ist das Wetter nicht beeinflussbar, es muss mitspielen. Bei einer unklaren Wetterlage ist eine Absage für eine Ballonfahrt grundsätzlich immer sinnvoll.

Jedoch, dieses atemberaubende Erlebnis in gewaltiger Höhe und mit schnellem Wind über dieses riesige Bergmassiv zu gleiten ist gewaltig. Unvergesslich wird diese Fahrt bleiben. Das tolle Team hat Sicherheit gegeben und mit dieser Sicherheit wird „Flocke“ auch zu weiteren Ballonfahrten über die Alpen antreten.

Fahrt in Zahlen

Zu guter Letzt: Fahrt in Zahlen

Dauer ca. 3 Std.
Geschwindigkeit 115 Km/h
Temperatur -21 Grad
Entfernung ca. 250 Km
Fahrthöhe ca. 6000m
Vorwiegende Fahrtrichtung in 165 Grad